Zum Begriff: Kapital als Produktionspotential

Anlagen, Humankapital, Finanzkapital, Subsistenzmittelfond – Kapital bezeichnet viele Dinge. Was ist also „Kapital“?

Im „Kapital“ wird eine zentrale Größe unseres Wirtschaftssystems gesehen, das auch mit „Kapitalismus“ bezeichnet wird. Auch in den Theorien der Gesamt­wirtschaft ist das „Kapital“ eine wichtige Größe. Es ist der Produktionsfaktor neben der Arbeit. Entsprechend wichtig ist es zu definieren, was unter Kapital zu verstehen ist. Hierzu soll der vorliegende Abschnitt einen Beitrag leisten.

Produktion beinhaltet, dass ein Zustand in einen anderen überführt wird. Jede Produktion braucht deshalb Zeit. Jede Produktion braucht Inputs. Diese Inputs müssen zu bestimmten Zeit­punkten vorliegen, damit sie durchgeführt werden kann. Im Folgenden wird eine Definition für den Kapitalbegriff aus diesem zeitlichen Grundgerüst des Produzierens abgeleitet.

In der folgenden Abbildung 3 ist dieser Zusammenhang durch eine Beschrei­bung des Prozesses des Getreideanbaus veranschaulicht.

abb_1_kapitalbedarf_getreideanbau-2

Der Bauer pflügt und säht. Dazu braucht er Saatgut. Dann pflegt er das Feld und schließlich kann er ernten. In der Zwischenzeit muss er sich ernähren.

 

Mit einem zweiten Beispiel will ich verdeutlichen, dass der Wirtschaftsprozess im Allgemeinen ein sich wandelnder Prozess ist. Wirtschaften ist kein Kreislauf­ oder reiner Reproduk­tionsprozess: Die eingesetzten Inputs gehen unter und es entsteht ein anders­artiger Output.

abb_2_kapitalbedarf_nichtreproduktiver_prozess-2

Wieder ist zu sehen, dass eine ganze Reihe von Inputs in einer festgelegten Rei­henfolge benötigt werden, damit der beabsichtigte Produktionsprozess auch abgeschlossen werden kann.

 

Bevor wir zur Definition des Kapitalbegriffs übergehen können, ist noch ein weiterer Aspekt aufzunehmen, der in der Kapitaldiskussion eine prominente Rolle einnimmt: Das Finanzkapital. In der nächsten Abbildung ist deshalb eine Finanztransaktion in das Beispiel aufgenommen worden: Der Tischler muss den Leim extern einkaufen.

abb_3_kapitalbedarf_mit_finanzkapitalbedarf-2

Wenn der Tischler den Leim braucht und er ihn nicht besitzt, sondern kaufen muss, gibt es drei Finanzierungsmöglichkeiten: Der Verkäufer kann ihm den Leim geben und die Bezahlung stunden, bis die Tischplatte fertig und verkauft ist. Der Tischler selbst kann einen Geldbetrag vorrätig haben und von seinem Geldbestand den Leim bezahlen. Drittens könnte der Tischler noch jemanden Dritten finden, der den Leim vorfinanziert, d. h. die Finanzierung über den Ka­pitalmarkt im weitesten Sinne abwickeln.

 

In der Literatur wird eine Reihe unterschiedlicher Kapitalarten angeführt. Es stellt sich nun die Frage, was in diesen Beispielen das Kapital darstellt:

  • Das Geld (Finanzkapital)?
  • Die Nahrung (Subsistenzmittelfonds)?
  • Das Werkzeug (Sachka­pital)?
  • Das Produktionswissen (Humankapital)?
  • Die genutzten Institutionen (Sozialkapital)
  • Die abgezinsten Ertragserwartungen (Kapitalwert)?

Das Kondensat dieser Kapitalbegriffe und der Betrachtung der zeitlichen Struktur von Produktion führt m. E. auf folgende allgemeine Defini­tion des Kapitalbegriffs:

Kapital ist das Potential, ein bestimmtes Produktionsprogramm ausführen zu können. Es ist das Produktionspotential.

 

Links

Vergleiche auch
Kapital der besonderen Art: Das Gelegenheitspotential

 
 

Einen Kommentar beitragen