Zur Bezahlbarkeit des Zinses in einem Kreditgeldsystem

Und es geht doch! Ein bisschen. Ein Schritt in die Vielschichtigkeit unseres Geldsystems

Das Ausgangsargument

Im Kreditgeldsystem entsteht Geld durch Kredit. Mit dem Kredit entstehen eine Tilgungs- und eine Zinsverpflichtung. Beides zusammen ist größer als die geschöpfte Geldmenge. Die Vermutung derjenige, die das Argument vortragen, geht in die Richtung, dass der Zins damit nicht zurückzahlbar sei, und dass es sich um einen prinzipiellen inneren Widerspruch unseres Geldsystems handele, der zum Kollaps des Währungssystems führen müsse. Warum es unter Umständen doch geht, legt dieser Beitrag dar.

Exkurs zur Rolle der Zentralbank

Exkurs zur Rolle einer Zentralbank: Der Zentralbank ist die Aufgabe übertragen, für Preisniveaustabilität zu sorgen. Zudem soll sie Wachstum fördern. Sie agiert für die gesamtwirtschaftliche Entwicklung, während die Geschäftsbanken für den eigenen Gewinn arbeiten. Geschäftsbanken brauchen sogenanntes Zentralbankgeld als gesetzliche Mindestreserve und für Barauszahlungen und Überweisungen zu anderen Banken. Zentralbankgeld sind Bargeld und Guthaben bei der Zentralbank. Bei der Schöpfung von Zentralbankgeld wird im Prinzip der gleiche Mechanismus verwendet wie für die Schöpfung von Giralgeld (Sichtguthaben). Die Zentralbank kann deshalb über die Konditionen, zu denen sie den Geschäftsbanken Zentralbankgeld anbietet, die Konditionen beeinflussen, zu denen die Geschäftsbanken Kredite vergeben. Die Gewinne der Zentralbank werden an den Staat ausgeschüttet.

Das Ausgangsargument in Bilanzform
Kreditvergabe

Eine Geschäftsbank vergibt einen Kredit an einen Kunden C. Die Geschäftsbank bucht den Kredit auf ihrer Aktivseite und das Sichtguthaben von C auf ihrer Passivseite. Das Sichtguthaben ist das Geld um das es hier geht. Den vereinbarten Zins verbucht die Geschäftsbank als Forderungen auf der Aktivseite und da der Zins einen Ertrag darstellt, erhöht er das Eigenkapital der Bank, welches auf der Passivseite verbucht wird.

Beim Kunden C sieht die Bilanz spiegelverkehrt aus. Sein Aktiva ist das Sichtguthaben, seine Passiva der Kredit und die Zinsverbindlichkeiten. Da sonst kein Vermögen in der Bilanz von C steht, kommt sein Eigenkapital auf die Aktivseite, was normalerweise einen Fall von Überschuldung darstellt.

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Tilgung

Was passiert, wenn C zuerst den Kredit tilgt und ersteinmal keine Zinsen zahlt?
Die Bank bucht den Kredit gegen das Sichtguthaben wieder aus. Damit existiert auch kein Geld mehr. Auch kein Geld mehr, um die noch offene Zinsforderung zu begleichen.

Zinszahlungen durch Geldumlauf

Des Rätsels Lösung besteht darin, dass Geld umlaufen kann. Ein und dieselbe Geldeinheit kann mehrmals verwendet werden.

Ein Beispiel. Nehmen wir wieder die Kreditvergabe der Geschäftsbank an C. C zahlt nun sagen wir seine Zinsverbindlichkeiten. Die Bank hat nun Geld und kauft etwas von C. Mit dem verbliebenen Sichtguthaben und den neuen Einnahmen kann C seine Restschulden tilgen.

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Gründe für die Bank, Geld auszugeben

Als nächstes ist zu überlegen, welche Beweggründe es gibt, dass das Geld aus dem Eigenkapital der Bank wieder auf das Sichtguthaben von C überwiesen wird. Ich habe
drei Möglichkeiten gefunden.

  1. Die Bank schenkt C das Geld.
  2. Es gibt eine Einkommenssteuer und der Staat nimmt eine Umverteilung vor.
  3. Die Bank zahlt an C für Güter und Leistungen.

Das Geld muss nicht direkt von der Bank an C überwiesen werden. Es könnte auch erst an die Anteilseigner und Mitareiter der Bank gezahlt werden, und die überweisen dann an C.

Wann gelingt also die Rückzahlung von Zins und Tilgung? Wenn das Geld oft genug umläuft, sprich von der Bank, ihren Anteilseignern und Mitarbeitern oft genug ausgegeben wird.

Fazit

Das System kann eine ganze Weile funktionieren, muss aber nicht.

Einordnung der Argumentation in den wirtschaftswissenschaftlichen Diskurs

So rudimentär das dargestellte Modell ist, so stellt es doch einen Ablauf dar, der weder mit dem neoklassischen Modell noch mit den keynesianischen Modell thematisiert wird.
 
 

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