Vom einzelwirtschaftlichen Vorgang zur gesamtwirtschaftlichen Theorie: die fehlende Mikrofundierung

Eine makroökonomische Theorie ohne Brücke zur Alltagswelt ist nicht für diese Welt geeignet

Bäckerbeispiel

Von einer gesamtwirtschaftlichen Theorie erwarte ich, dass sie mir auch die Bedeutung von wirtschaftlichen Vorgängen des Alltags für den Gesamtzusammenhang erklären kann.

Nehmen wir als Anknüpfungspunkt ein Bäckerbeispiel:
„Ich nehme ein Teil meines Einkommens in Form von Bargeld und gehe damit zum Bäcker. Der Bäcker hat am frühen Morgen mit seinen Angestellten und unter Zuhilfenahme diverser Vorprodukte und Ausrüstungsgegenstände Brote gebacken, die er nun anbietet. Ich wähle eines aus. Der Bäcker bekommt Geld in Höhe des Verkaufspreises und ich das Brot.“
Aus dem Beispiel ergeben sich eine ganze Reihe von Einstiegspunkten und Fragen für eine gesamtwirtschaftliche Theorie. Beispielsweise: Wie komme ich an mein Geld? Was macht der Bäcker mit dem Geld, das er von mir bekommt? Wo kommt das Geld her? Welche Rolle spielen die Investitionen des Bäckers? Wenn ich nun meine Brotwahl ändere, und nur noch die billigeren Brote kaufe und mehr spare, welche Wirkungen ergeben sich daraus? …

Ich möchte nun die einzelnen Vorgänge des Beispiels den Bestandteilen einer gesamtwirtschaftlichen Theorie zuordnen können. Dies kann dadurch geschehen, dass ich die Bestandteile unmittelbar wiedererkenne. Wenn ich sie nicht wiedererkenne, dann brauche ich einen Erläuterung, wie der Zusammenhang herzustellen ist.

Verfügbare Theorie

Wir haben zum einen die neoklassische Theorie. Die neoklassische Theorie lässt die Preise von einem zentralen Walrasianischen Auktionator simultan über alle Märkte und so bestimmen, dass ein Gleichgewicht herauskommt. Geld als Tauschmittel spielt keine Rolle. Mit einer Geldmenge wird die Höhe der Preise errechnet. Eine Beschreibung des Übergangprozesses von einzelwirtschaftlichen Vorgängen zu dem Modell existiert nicht.

Wir haben zum zweiten die fragmentarische keynesianische Theorie, die einzelne Wirkungsketten nachvollzieht und so Multiplikatoren beschreibt. Eine systematische Gesamttheorie ist auf diese Weise nicht entstanden.

Umgang mit der fehlende Mikrofundierung

Dass der Übergang von einzelwirtschaftlichem Vorgang zur Theorie der Gesamtwirtschaft nicht existiert, ist bekannt. Das ist die fehlende Mikrofundierung der Makroökonomik. Mir stellt sich da die Frage, was die Makroökonomik dann mit dieser Welt zu tun hat, wenn es keine Mikrofundierung gibt und Experimente zur Theoriekontrolle auf gesamtwirtschaftlicher Ebene nur sehr beschränkt durchgeführt werden können.
 
 

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