Zum Walrasianischen Auktionator

Auszug aus Das EEWCO-Ausgangsmodell – Vergleich mit dem neoklassischen Grundmodell, S. 21.

Der Walrasianische Auktionator als Koordinationsmechanismus??


Als Analyseinstrument für gesamtwirtschaftliche Zusammenhänge in einer Marktwirtschaft scheidet die Neoklassik aus, denn sie hat an der Schwelle von der Betrachtung einzelner Märkte zur gesamtwirtschaftlichen Ebene ein Phantasiekonstrukt gesetzt: den Walrasianischen Auktionator. Der Walrasianische Auktionator auktioniert alle Preise der Wirtschaft simultan, und zwar solange, bis sie im Gleichgewicht sind.

Was will die Neoklassik untersuchen?

Das wirft eine Frage auf: Wenn der zentrale Walrasianische Auktionator zur Analyse der dezentralen gesamtwirtschaftlichen Koordination fehl am Platz ist, was ist das Untersuchungsinteresse der Neoklassik?

Missverständnis: Auktion als Marktform durchaus denkbar

Es ist nicht so sehr die Wahl der Auktion als Marktform, die den Walrasianischen Auktionator zum Phantasiekonstrukt werden lässt. Die Fantasterei liegt in der zentralen Koordination simultan über alle Märkte der Wirtschaft. Dass versucht wird, mit einer zentralen Steuerungsinstanz den dezentralen marktwirtschaftlichen Koordinationsprozess zu erklären, entzieht sich meinem Verständnis.

Zur Wirkungsgeschichte

Was mich an der Wirkungsgeschichte des Walrasianischen Auktionators erstaunt, ist nicht so sehr, dass er eingeführt und diskutiert worden ist. In der historischen Situation ist die Erfindung, soweit ich das einsehen kann, gut nachvollziehbar. Es erstaunt mich, dass er bis heute eine so bedeutende Rolle spielt. Ich schätze die Entstehung des Auktionators wie folgt ein: L. Walras hatte einzelne Gütermärkte analysiert und herausgefunden, dass diese zu einem Gleichgewicht tendieren. Es liegt dann nahe zu fragen, ob eine Gesamtwirtschaft, die sich aus solchen Märkten zusammensetzt, ebenfalls zu einem Gleichgewicht tendiert. Als erstes überprüft er die Möglichkeit, ob es ein gesamtwirtschaftliches Gleichgewicht bei mehreren Märkten geben kann. Er zählt Gleichungen und Unbekannte und stellt fest, dass es möglich ist. Die nächste Frage ist die Frage, ob der Marktprozess zum Gleichgewicht führt. L. Walras kennt die Simulationsmethode nicht und behilft sich mit dem, was er hat: Algebra, Papier und Bleistift. Die sich im Marktprozess ständig ändernden Ausgangsbedingungen von Periode zu Periode sind so nur sehr mühsam darstellbar. Probehalber nimmt er also seine Überschussnachfragefunktionen und setzt einen Preisvektor ein. Er überprüft die Veränderung der Überschussnachfragen und passt den Preisvektor etwas an; kurzum, er führt das Tâtonnement durch. Soweit kann ich die Entwicklung des Walrasianischen Auktionators gut nachvollziehen. Der nächste Schritt ist dann für mich der, festzustellen, dass ein Tâtonnement einer Zentralplaninstanz eben doch keine Beschreibung des Marktprozesses ist, den Walrasianischen Auktionator wieder einzustampfen und nach Alternativen zu suchen.

Links

Wenn Du noch nicht sicher bist, wo die Katastrophe bei dem Walrasianischen Auktionator liegt, dann könnte das E-book
Zeitmodellierung für gesamtwirtschaftliche Modelle aufschlussreich sein. Dort wird erklärt, wie Prozesse die in der Zeit ablaufen abgebildet werden können. Und es gibt dort auch einen Abschnitt zum Walrasianischen Auktionator, in dem gezeigt wird, dass durch den Walrasianischen Auktionator das Vorher und Nachher vermanscht wird.

Ein Vergleich des Modellablaufs mit Walrasianischem Auktionator und dem Ablauf in einem EEWCO-Modell gibt es hier:
Wie laufen die Modelle ab?
 
 

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