Zum Begriff: Bruttonationalprodukt von Markt und Staat

Der Begriff „Bruttonationalprodukt“ erweckt den Eindruck, als wenn er die ge­samte Produktion eines Landes widerspiegeln würde. Dies ist jedoch nicht der Fall.

Die Diskussionen, die immer wieder Unzulänglichkeiten dieses Konzepts diagnostizieren, bekommen ihren Anstoß möglicherweise genau aus dieser Diskrepanz.

Versuchen wir also zu spezifizieren, welche Produktion mit den Bruttonational­produkt erfasst wird. Das ist zum einen die Produktion, die über den Markt abgesetzt wird. Es ist zum zweiten die Produktion, die vom Staat erbracht wird. Ich möchte anregen, den Begriff mit diesen Sektoren zu präzisieren. Eine Möglichkeit wäre die Bezeichnung Bruttonationalprodukt von Markt und Staat: BNP(M, St).

Dieser Begriff hat zwei Vorteile. Es wird zum einen direkt sichtbar, dass es auch andere Sphären gibt, die produzieren, etwa die Haushalte oder die Schatten­wirtschaft. Zum zweiten ist nun begriffsimmanent geklärt, dass das Konzept die Marktaktivität widerspiegelt und nicht die gesamte Wohlfahrt eines Lan­ des. Das Konzept wird in der Folge nicht mehr mit Erwartungen befrachtet, die es nicht erfüllen kann. Die Diskussion kann sich nun darauf konzentrieren Wohlfahrtsindikatoren zusammenzustellen, die für das wirtschaftspolitische Handeln relevant sein sollen.

 

Dank

Die Argumente für diesen Beitrag hat Karsten Thiesemann in einem Gespräch 2009 angeregt. Dafür und für viele weitere Ideen, Lektorate und Anregungen danke ich ihm.
 
 

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