Zum Begriff: Bedarf

Der Begriff des Bedarfs wurde in der Volkswirtschaftslehre so definiert, dass er den Zugang zu den Bedürfnissen versperrt.

Die Definition des Begriffs Bedarf lautet in der Ökonomik wie folgt:
Bedarf ist ein monetär ausgestattetes Be­dürfnis.

Ich plädiere aus folgenden Gründen dafür, diese Definition aufzugeben:

1. Die Definition von Bedarf als monetär ausgestattetem Bedürfnis wider­spricht dem Alltagsgebrauch des Begriffs und führt daher zu Missverständnissen. In der Alltagsbedeutung würde man beispielsweise sagen, dass jemand ein Dach über dem Kopf braucht. Dieser Jemand hat also einen Bedarf an einem Dach. In der obigen ökonomischen Begriffs­definition hätte dieser Jemand ein Bedürfnis nach einem Dach, und nur sofern er über das Geld verfügt und eine Nachfrage äußert auch über ei­nen Bedarf.

2. Die bisherige ökonomische Begriffsbestimmung von Bedarf ist überflüs­sig. Der Bedarf als monetär unterlegtes Bedürfnis wird bereits von dem Begriff der Nachfrage abgedeckt.

3. Vor dem Hintergrund der Theorie der Bedürfnisse kann der Bedarfsbegriff einen Sachverhalt abdecken, der ansonsten unbe­setzt wäre: Nach M. Rosenberg ist ein Bedürfnis ein situationsunab­hängiger Beweggrund zur Aufrechterhaltung einer bestimmten Lebens­funktion. Ein Befriediger ist eine Tätigkeit oder ein Ding, das ein aktives Bedürfnis zu befriedigen vermag. Für Befriediger, die zwar gewünscht werden, zu denen aber etwa mangels Einkommen keine Nachfrage entfaltet wird, fehlt der Begriff, wenn der obigen ökonomischen Definition gefolgt wird. In der Alltagssprache gibt es diesen Begriff: Es ist der Bedarf.

Um die drei Begriffe nochmal in dem Dach-Beispiel aufzuzeigen: Dem Wunsch nach einem Dach über dem Kopf liegt das Bedürfnis nach körperlichem Schutz vor den Unbilden des Wetters zugrunde. In unserer Kultur wird dieses Bedürfnis typischerweise durch ein Dach über dem Kopf befriedigt. Es gibt bei uns daher einen Bedarf an Dächern. Wenn jemand Geldvermögen besitzt und ein Dach kauft, dann besteht Nachfrage nach einem Dach.

Ich will eine Definition des Bedarfsbegriffs ins Gespräch bringen, die mit dem Alltagsver­ständnis von Bedarf harmoniert:
Ein Bedarf ist diejenige Menge an kulturüblichen Gütern, die zur Befriedigungn eines bestimmten Bedürfnisses gebraucht wird.

 
 

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