Theoretische versus wirtschaftspolitische Fragestellung

Theoretische und wirtschaftspolitische Fragestellungen haben eine unterschiedliche Zielrichtung. Entsprechend sind andere Methoden einzusetzen.

Die Vorgehensweise und die zum Einsatz kommenden Werkzeuge unterscheiden sich je nachdem, ob die Untersuchung eine theoretische oder eine wirtschaftspolitisch-beratende ist. Für diese Unterscheidung möchte ich in diesem Beitrag sensibilisieren.

Die theoretische Untersuchung

Möglichen Themen werden zusammengetragen und ein Thema herausgesucht. Als Auswahlkriterium dient dabei das Interesse des Forschenden. Das Ergebnis ist eine Änderung oder Verfeinerung der Weltsicht im Bereich des ausgewählten Themas.

Die wirtschaftspolitisch-beratende Untersuchung

Wirtschaftspolitisch-beratende Untersuchungen sollen begründete Empfehlungen für wirtschaftspolitische Maßnahmen erarbeiten und Voraussetzungen, Chancen und Risiken identifizeren. Entsprechend ist das Vorgehen: Zunächst sind alle möglichen bekannten Einflussfaktoren zu einem Themenkreis zusammenzutragen. Diese sind dann zu gewichten. Die wichtigsten Einflussfaktoren werden ausgewählt und mit ihnen eine wirtschaftspolitische Empfehlung erarbeitet. Das Ergebnis einer solchen Untersuchung besteht aus der Zusammenstellung der Einflussfaktoren und einem Abwägungsschema.

Vorsicht: Keine Eintopftheorie!

Werden diese beide Untersuchungsformen nicht unterschieden, entstehen für die wirtschaftspolitische Beratung Eintopftheorien oder willkürlich-einseitige wirtschaftspolitische Empfehlungen. Mit Eintopftheorien bezeichne ich solche Argumentationen, die aus Versatzstücken bestehender Theorien zusammengesetzt werden, ohne deren Annahmenkompatibilität sicherzustellen, und zudem eine umfassende Aufarbeitung des Themenfeldes vermissen lassen, wie sie für wirtschaftspolitisch-beratende Untersuchungen angezeigt ist.

Unterschiedlicher Umgang mit Wissenslücken

Beide Vorgehensweisen gehen in unterschiedlicher Weise mit Widersprüchen und Lücken in unserem Weltbild um.

Für die theoretische Sicht sind Widersprüche und Lücken der Aufruf zu weiterer Forschung. In dieser Sicht ist – mitunter auch schmerzlich – der Begrenztheit des eigenen Wissens ins Auge zu sehen.

In der wirtschaftspolitisch-beratenden Sicht sind die Widersprüche zu bewerten, auf die eine oder andere Art zu überbrücken und die Wissenslücken zu füllen. Die Herausforderung besteht in diesem Fall darin, ein vernünftiges Vorgehen in einem ungeklärten Themenfeld mit widersprüchlichen Theorien zu etablieren.

 

Tipp

Ulrich, H./Probst, G.J. (1995): Anleitung zum Ganzheitlichen Denken und Handeln, Ein Brevier für Führungskräfte, 4. Aufl., Bern.
Ein Werkzeugkasten, das den wirtschaftspolitsch-beratenden Prozess unterstützt.
 
 

Einen Kommentar beitragen