4 Prüfsteine, mit denen ich die Aussagekraft von Modellen prüfe

Ein Generalschlüssel zur Modellinterpretation. Damit Du Deinen eigenen Zugang zum Thema finden kannst und Dich nicht mit unverständlichen Modellaussagen abspeisen lassen brauchst.

 

1. Begriffe klären: Begriffsinhalt und Umsetzung

2. Die Zeit: Wie ist dieses Grundgerüst dargestellt?

3. Prozesse nachvollziehen. Wie folgt das eine aus dem anderen. Im Modell? In Deinem Weltbild?

4. Sammlungen anlegen: Welche Aspekte gehören zu einem Thema?

 

1. Begriffe klären. Was verstehe ich unter einem Begriff? Vor diesem Hintergrund anschauen: Welche Eigenschaften des Begriffs werden in der Argumentation verwendet? Welchen Eigenschaften des Begriffs werden in dem Modell abgebildet?

Definitionsfragen zu Begriffen sollten sich klären lassen.

Beispiel Sparen: Unter Sparen verstehe ich vor allem, dass ich einen Teil meines Geldeinkommens nicht bzw. erst später wieder ausgebe.

Betrachten wir Sparen im Neoklassischen Modell: Sparen heißt dort nicht-konsumieren. So weit so unverdächtig. Erkenne ich in dem Modell die Darstellung eines Geldstroms? Nein? Also was wird nicht konsumiert? Ein Einheitsgut. Oh. Da stellt sich die Frage, ob und was das mit Sparen in Geld zu tun hat.

Vorsicht ist auch bei der Interpretation der Daten der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung angesagt. Dort haben wir den Begriff der Ersparnis. Ersparnis in der VGR ist der Wertzuwachs der Volkswirtschaft. Was ist ein Wertzuwachs? Und wie kommt er zustande?

 

2. Zeitdarstellung klären. Wird überhaupt Zeit dargestellt? Welche Eigenschaften der Zeit werden dargestellt: Abfolge? Dauer?

 

3. Prozesse nachvollziehen. Wie stelle ich mir den Prozess und die Prozessschritte vor? Und wie wird der Prozess in dem Modell dargestellt?

In der Praxis wirst Du überwiegend folgendes finden: Entweder es werden kurze Prozessketten angeführt – was gut und richtig ist. Nur kann so das Zusammenspiel mit anderen Prozessen nicht berurteilt werden, die auch für ein Thema relevant sind. Oder es werden Modellergebnisse angeführt, deren Prozesse nicht nachvollziehbar sind, weil sie keine Prozesse abbilden.

Beispiel Sparen in Geld: Ich bekomme ein Einkommen X. Davon gebe ich bis Monatsende einen Teil Y aus. Der Rest bleibt auf dem Konto. Dann je nach Fragestellung weitersuchen: Was passiert mit dem Geld auf dem Konto? Was passiert, wenn ich mehr spare? Eine Möglichkeit: Ich gebe weniger aus, dadurch sinkt die Nachfrage. Die Unternehmen machen weniger Gewinn.

Betrachten wir dann den Prozess des Sparens im Neoklassischen Modell. Da lässt sich finden: I = S. Investieren ist Sparen. Das ist kein Prozess. Das kann allenfalls der Ergebnis eines Prozesses sein. Wo ist die Übersetzung vom Prozess in das Ergebnis? Dann wissen wir aus der Begriffsklärung, dass nicht Geld und reale Güter dargestellt werden, sondern ein Einheitsgut. I = S heißt also, dass aus dem nicht konsumierten Einheitsgut ein Investitionsgut wird. Stellt sich die nächste Frage: Wie stelle ich mir den Prozess vor, der dazu führt, dass ein Investitionsgut entsteht?

 

4. Sammlungen anlegen. Was gehört alles zu einem Thema? Welche Faktoren können Bedeutung haben? Welche Faktoren sind im Modell verwendet worden? Warum?

Eine Sammlung verschiedener Einflussfaktoren zu einem Thema und eine begründete Auswahl wirst Du in 99% der Fälle nicht erhalten – weil es sie nicht gibt. M.E. gibt es sie nicht, weil wenn die Sammlungen angelegt werden würden, dann wären sachlogisch Einflussfaktoren in das Modell aufzunehmen, die mit den bisher verwendeten Modellansätzen nicht modelliert werden können. Oder sie würden zu „unpassenden“ Ergebnissen führen. Deshalb wird mit Tunnelblick gearbeitet. Zeit, den Blick zu weiten und zu sammeln.
 
 

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