Ein erster Eindruck: Wie sehen wirtschaftswissenschaftliche Modelle 2015 aus?

Teil I: Vergleich von Neoklassik, der keynesianischen Einkommen-Ausgabenmodell-Familie und dem EEWCO-Modell mit einfachem Geld.

Kurzvorstellung der Ansätze


Das neoklassische Modell
Das Modell stammt von Ende des 19 Jh. Dieses Modell ist ein Hauptanalyseinstrument in der Lehre um die Jahrtausendwende zum 21 Jh. und liegt der Politikberatung zugrunde.

Das keynesianische Modell
Wurde in der Mitte des 20. Jh. entwickelt. Auf diese Theorie stützen sich die Befürworter von Nachfragestabilisierungsmaßnahmen.

Das EEWCO-Modell
Eine virtuelle Welt zur Analyse von gesamtwirtschaftlichen Fragen entsteht ab dem Jahr 2000.

Wie sehen sie nun aus die Modelle?

Im Folgenden will ich einen ersten Eindruck vermitteln, wie die Modelle aussehen. Es geht nicht um Details, sondern um die Art, wie Wirtschaft dargestellt wird.

Die Darstellung von Neoklassik und dem keynesianischen IS/LM-Modell stützt sich auf Felderer, B. / Homburg, St. (2005).
Für die Darstellung eines EEWCO-Modells habe ich aus der Reihe Geld I das Modell Teil C: Tausch mittels einem einfachen Geld gewählt.

Das neoklassische Grundmodell

Die Neoklassik greift zur formalen Unterstützung auf das Darstellungswerkzeug mathematische Berechnungen zurück und stellt die Wirtschaft in Gleichungen dar. Das Grundmodell wird in 5 Gleichungen gefasst. Die dargestellten Größem sind real zu verstehen. Y ist das Einheitsgut der Modellwirtschaft. Das Gleichgewicht ist ein mathematisch ermitteltes Markträumungsgleichgewicht.
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Die Gleichungen sind in den Eigenschaften spezifischer bestimmt. In der folgenden Abbildung sind die Gleichungen grafisch dargestellt, mit den üblichen Spezifikationen.

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Das keynesianische IS/LM-Modell

Das keynesianische Modell wählt einen anderen Ausgangspunkt. Es setzt beim Tauschzyklus an: Haushalte kaufen Produkte oder Sparen, Unternehmen bekommen Einnahmen, Unternehmen zahlen Löhne und Gewinne, Unternehmen stellen Arbeitnehmern ein und produzieren, u.s.w. Dementsprechend sind die dargestellten Größen Wertgrößen. Im ersten Modellschritt entsteht das Einkommen-Ausgaben-Modell. Es bedient sich als Darstellungswerkzeug mathematischer Berechnungen (insbesondere Folgen und deren Grenzwerte):
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In einem zweiten Schritt wird ein Geldmarkt hinzugenommen. Auf dem Geldmarkt werden über eine gegebenen Geldmenge, einer Geldnachfrage für die Transaktionen und einer Geldnachfrage für die Spekulationskasse eine zinsabhängige und einkommensabhängige Geldnachfrage abgeleitet. Das Sparen wird als vom Einkommen abhängig modelliert. Daraus ergeben sich zwei Kurven. Die LM-Kurve gibt mögliche Gleichgewicht in i/Y-Raum für den Geldmarkt an und die IS-Kurve gibt mögliche Gleichgewicht für den Kapitalmarkt an. Zusammengenommen bestimmen sie ein Gleichgewichtseinkommen.
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Ein Simulationsmodell des EEWCO-Ansatzes

Der EEWCO-Ansatz bedient sich als Darstellungswerkzeug einer informatischen computergestützten Simulation. Im Folgenden ist ein Ausschnitt aus dem Pseudocode aus dem gewählten Modell abgebildet. Ein Pseudocode gibt die Abläufe des Modell natürlichsprachlich wieder; allerdings schon so genau, dass die Übersetzung in eine Programmierungssprache ohne weitere inhaltliche Ausgestaltungen möglich ist.

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Die vollständige Darstellung des Pseudocodes umfasst 80 Seiten. Das Modell deckt etwa denelben Themenbereich ab, wie das oben vorgestellte neoklassische Modell oder das IS/LM-Modell.

Da stellt sich die Frage: Ist es nicht besser mit einem Modell anzufangen, dass sich auf 1 Seite zusammenfassen lässt? Was sind das für Informationen, die in den zusätzlichen 79 Seiten des EEWCO-Modells stecken? Brauchen wir die wirklich?

 

Einen Eindruck von der Bedeutung dieser zusätzlichen Informationen vermittle ich in den folgenden 3 Teilen.

Teil II: Wie laufen die Modelle ab?

Teil III: Wie wird Geld in den Modellen dargestellt?
Teil IV: Wie wird die Bevölkerung in den Modellen dargestellt?

 

Links

Es gibt weitere Texte, die das neoklassische Modell und das keynesianischen Modell und ihre jeweilige Herangehensweise ausführlicher betrachten. Siehe dazu den Überblick zu T7: Theorievergleiche.

Ein anschaulicher Zugang mit einem vereinfachten EEWCO-Ansatz bietet das EEWCO Starterkit Gesamtwirtschaft.

Literatur

Felderer,B. / Homburg, St. (2005): Makroökonomik und neue Makroökonomik, 9. Aufl., Berlin / Heidelberg.

 
 

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