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EEWCO-Starterkit Gesamtwirtschaft

Eine Legeset-Simulation. Ein Starterkit aus ein paar Pappkarten und doch das beste Modell zur Analyse der Gesamtwirtschaft heute (2015)

  • Vom Umfang und den Möglichkeiten der Darstellung stufe ich die Simulationsmodelle der Reihe Geldtheorie I höher ein. Nur: Wer kann die Argumentation nachvollziehen? Vom Arbeitsaufwand, von der Konzentration, von der thematischen Verästelung, vom Vorwissen? Das EEWCO Starterkit Gesamtwirtschaft bietet einen überschaubaren Einstieg in eine virtuelle Gesamtwirtschaft. Im Vergleich zum Simulationsmodell sind weniger Wirtschaftssubjekte dargestellt, mit weniger Eigenschaften. Die Menschen haben zum Beispiel keinen Lebenslauf. Auch die Güter sind weniger ausgearbeitet, nur angedeutet. Dafür ist die Grundstruktur des EEWCO-Ansatzes viel einfacher zu erkennen.
  • „… aber mach mal einen Punkt! Was ist denn mit den Modellen der Wirtschaftswissenschaft! 150 Jahre weltweite Forschung an renommierten Universitäten, Nobelpreisträger, Forschung der Zentralbanken ?! Und jetzt kommst Du mit 3,5 Pappkarten und einem Dutzend Holzteilen an, und das soll das beste Modell sein???“
Das Modell implizit definiert: Ablaufbeispiel
Vorbereitung
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Experiment zum Online-Nachspielen: Ich habe ein Schwarzes Brett im Internet mit der Startaufstellung ausgestattet. Zum Online-Legetisch.

Mensch_B sei der Unternehmer von Unternehmen_1.
Mensch_A arbeite im Unternehmen_1.

Die Kontostände und die Preisangaben werden durch die Geldwertanzeiger dargestellt. Es gibt einen Wertanzeiger für 50€, einen für 10€ und einen für 5€. Es werden soviele Wertanzeiger auf die Konten, den Preis oder die Bilanzpositionen gestellt, bis der anzuzeigende Betrag erreicht ist.

Es gibt ein Gut in diesem Modell: Das Weißwürfelgut (WW-Gut). Es ist ein Konsumgut mit einer Haltbarkeit von etwas unter einer Runde. Es ist unteilbar, es hat die Quanteneigenschaft.

Runde 1: Geld kommt in den Umlauf

1.1. Das Unternehmen produziert 6 WW-Güter und bietet sie am Güter­markt an.

6 WW-Güter aus dem Vorrat auf das Feld Gütermarkt legen.

1.2. Geldschöpfung
Der Staat druckt Geld: 60€

60€, 6 x 5€ und 3 x 10€,
vom Vorrat zum Feld Staat.

1.3. Geld kommt in den Umlauf
Der Staat fragt die Güter nach und bietet bis zu 60€. Der Unternehmer setzt einen Preis von 10€ pro WW-Gut fest und verkauft die 6 Güter.

- Stelle einen 10er Geldwertanzeiger auf das Feld Gütermarkt, um den ausgehandelten Preis anzuzeigen.
- Lege 60€ vom Staat neben das Feld Unternehmen_1.
- 6 WW-Güter vom Gütermarkt zum Staat.

Ö_Ö  In diesem Geldsystem hat der Staat mit dem von ihm gedruckten Geld Güter gekauft!

1.4. Der Unternehmer verteilt die Erlöse
Er handelt mit Mensch_A 20€ als Lohn aus, 20€ gehen als Unternehmenssteuer an den Staat, 20€ als Gewinn an Mensch_B.

- Stelle 2 10er Geldwertanzeiger auf das Feld Arbeitmarkt, um den ausgehandelten Lohnsatz anzuzeigen.
- Lege je 1x10€ und 2x5€ vom Unternehmen_1 zu Mensch_A, Mensch_B und den Staat.

1.5. Der Staat verbraucht seine Güter

Stelle die WW-Güter zurück zum Vorrat.
Runde 2: Das Geld kreist

2.1. Das Unternehmen produziert 6 WW-Güter und bietet sie am Güter­markt an.

6 WW-Güter aus dem Vorrat auf das Feld Gütermarkt stellen.

2.2. Mensch A, Mensch B und der Staat fragen je 2 WW-Güter zu 10€ nach. Der Preis bleibt bei 10€ und die Güter werden für 10€ verkauft.

- 20€ von Mensch A, von Mensch B und vom Staat an Unternehmen_1.
- Je 2 WW-Güter an Mensch A, Mensch B und den Staat.

2.3. Der Unternehmer verteilt die Erlöse
20€ bekommt Mensch A als Lohn, 20€ bekommt der Staat als Unternehmenssteuer, 20€ zahlt er sich, Mensch B, als Gewinnausschüttung aus.

Zahle je 20€ an Mensch_A, Mensch_B und den Staat aus der Unternehmenskasse.

2.4. Mensch A, Mensch B und der Staat verbrauchen ihre WW-Güter.

Stelle die WW-Güter zurück in den Vorrat.
Runde 3: Mensch_A spart in Geld

3.1. Das Unternehmen produziert 6 WW-Güter und bietet sie am Gütermarkt an.

6 WW-Güter aus dem Vorrat auf das Feld Gütermarkt.

3.2. Sparen als Ausgabenkürzung
Mensch B und der Staat fragen wie gehabt je 2 WW-Güter zum Preis von 10€ nach. Mensch A hingegen will sparen und fragt nur 1 WW-Gut nach. Der Preis bleibt vorerst bei 10€. Es werden 5 WW-Güter verkauft.

- 20€ von Mensch_B und dem Staat an das Unternehmen_1, 10€ von Mensch_A.
- Je 2 WW-Güter vom Gütermarkt an Mensch_B und den Staat, 1 WW-Gut an Mensch_A.

3.3. Der Unternehmen verteilt die Erlöse: 20€ gehen als Lohn zu Mensch A, 20€ gehen an den Staat und 10€ an Mensch B als Gewinnausschüttung.

Zahle aus der Unternehmenskasse 20€ an Mensch_A, 20€ an den Staat und 10€ an Mensch_B.

Ö_Ö  Der Sparwunsch von Mensch A hat in diesem Fall zu einer Einkommensminderung von Mensch B geführt!

3.4. Mensch A, Mensch B und der Staat verbrauchen ihre WW-Güter. Das WW-Gut auf dem Gütermarkt vergammelt ungenutzt.

Stelle die WW-Güter zurück zum Vorrat.
Runde 4: Eine Bank macht auf
Lege ein Feld Bank_1 mit zu den anderen Feldern.

4.1. Geld in Bank einzahlen
Mensch_A trägt 10€ aus seinem Sparstrumpf zur Bank und legt sie dort an.

10€ von Mensch_A zu Bank. Lege eine Karte Kontostand zu Mensch_A. Stelle einen 10er Wertanzeiger darauf.

4.2. Kredit bei Bank aufnehmen
Trotz des Absatzrückgangs beschließt das Unternehmen zu investieren. Es will seine Anlagen nachrüsten und produktiver machen. Es nimmt bei der Bank einen Kredit von 10€ auf.

10€ von der Bank_1 zum Unternehmen_1. Lege eine Karte Kreditverbindlichkeit zum Unternehmen und einen 10er Wertanzeiger darauf.

4.3. Das Unternehmen produziert 5 WW-Güter Einen Teil der Arbeits­kraft verwendet es, um die Anlagen zu verbessern.

5 WW-Güter aus dem Vorrat auf das Feld Gütermarkt.

4.4. Mensch A und der Staat fragen je 2 WW-Güter zum Preis von 10€ nach, Mensch B 1 WW-Gut. Es werden 5 Güter verkauft.

Zahle je 20€ von Mensch_A und dem Staat an das Unternehmen; und 10€ von Mensch_B. Mensch_A und der Staat bekommen je 2 WW-Güter, Mensch_B 1 WW-Gut.

4.5. Das Unternehmen verteilt die Erlöse: 20€ gehen an Mensch A, 20€ an den Staat als Unternehmenssteuern und 20€ an Mensch B als Gewinnausschüttung (Erträge: 50€ Erlöse und 10€ Wertsteigerung aus den selbstgebauten Anlagen).

Zahle je 20€ an Mensch_A, Mensch_B und den Staat aus der Unternehmenskasse.

4.6. Die WW-Güter werden verbraucht.

Stelle die WW-Güter zurück zum Vorrat.
Runde 5: Produtivitätsfortschritt

5.1. Das Unternehmen produziert mit den neuen Anlagen 12 WW-Güter.

12 WW-Güter aus dem Vorrat auf das Feld Gütermarkt.

 

Wie geht es weiter? Und welche Rolle spielt dabei das Geld? Und welche Rolle spielt die ausstehende Kreditforderung von 10€? Wichtige Fragen, die mitten in zentrale Fragen der gesamtwirtschaftlichen Koordination führen.

 

Themen, die das Modell öffnet
  • Produktion und Arbeit, Kapazitätsauslastung und Arbeitslosigkeit
  • Koordination mit Geld: Sparen in Geld und die Wirkung auf die Nachfrage und Investitionsanreize und Investitionsmöglichkeiten, Investieren, Finanzierung, Wachstum und Konjunktur
  • Preisbildung in Geldwirtschaft

Dieser kleine Modellablauf macht auf viele wichtige Fragen der Marktwirtschaft und der Koordination mit Geld aufmerksam! Und es bietet sich an, es auszubauen und die aufgezeigten Fragen damit zu untersuchen.

(Die Darstellung des Geldes entspricht übrigens n i c h t dem Kreditgeld, das wir haben. Ein solches Kreditgeld lässt sich aber in den Modellrahmen integrieren.)

Eigenschaften des Modells
  • Es gibt einen Handlungsablauf, ein Prozess, der sich aus einem Nacheinander von Aktion der einzelnen Akteure und autonomen Veränderungsprozessen der Güter entsteht.
  • Es werden einzelne Menschen und Unternehmen dargestellt. Potentiell können weitere Menschen oder Unternehmen abgebildet werden. Auch Banken und ihre Aktivitäten lassen sich einbeziehen. Die Anzahl der Akteure wird allerdings durch den Aufwand zum Durchspielen und Interpretieren limitiert.
  • Das Gut hat zwar sehr rudimentäre aber doch begrenzte und definierte Eigenschaften. Es ist unteilbar und existiert in einzelnen Quanten.
  • Es werden Finanzierungsvorgänge dargestellt.
  • Die Geldentstehung wird mit der geldausgebenden Institution abgebildet.
  • Es werden Geld und Güter und ihr Austausch dargestellt.
Vergleichen
mit den bestehenden wirtschaftswissenschaftlichen Modellen

Wenn es Dir so geht, wie mir, dann hatte ich vor meinem Studium unbewusst die Vorstellung, dass es in den Wirtschaftswissenschaften ein Modell wie dieses Legeset Keimzelle I gibt, nur unendlich viel weiter ausgearbeitet. Die gegenwärtigen Modelle wären dann die Weiterentwicklung eines solchen Grundmodells. Doch – ein solches Modell gibt es nicht. Ich kenne es jedenfalls nicht. Wenn Du ein besseres Modell zur Analyse der Gesamtwirtschaft kennst, sende einen Kommentar. Gib bitte auch an:

  • wie die Zeit und die Wirtschaftsabläufe dargestellt werden,
  • wie die Wirtschaftssubjekte dargestellt werden,
  • wie der Tausch Gut gegen Geld dargestellt wird.

Was ist daran besser? Oder warum ist es nicht wichtig?

Ein erster Eindruck: Wie sehen wirtschaftswissenschaftliche Modelle 2015 aus?

Arbeiten mit dem EEWCO-Starterkit

Das ist der nächste Schritt für mich.

 

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