EEWCO: die Argumentationlinie

Warum die Agentenbasierte Modellierung die Methode für die gesamtwirtschaftliche Theorie ist

In diesem Beitrag begründe ich kurz, warum ich die Agentenbasierte Modellierung (ABM) als Hauptmethode für die gesamtwirtschaftlichen Theorie empfehle. Du bekommst eine Vorstellung von der EEWCO-Methodologie und erste Hinweise, warum neoklassische und keynesiansche Modelle für die ökonomische Analyse gesamtwirtschaftlicher Zusammenhänge ungeeignete Methoden verwenden.

2016-03-10
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(1) Zuerst: Die Frage

Was ist die Frage. Meine Frage dreht sich um Geld. Was sind die Effekte, die von der Art und Weise wie wir unser Geldsystem eingerichtet haben, folgen? Was sind die Effekt von alternativen Geldsystemen?
Aus diesem Ausgangspunkt folgt, dass ich ein gesamtwirtschaftliches Modell brauche.

(2) Eigenschaften der Modellelemente

Von meinem gegenwärtigen Hintergrundwissen kann ich nun eine Vorauswahl von Elementen sammeln, die ich in das Modell einbeziehen will: Z.B. Banken, eine davon die pleite geht, die anderen nicht oder später; ein Markt auf dem ein Gut gegen Geld getauscht wird; Menschen die in Geld sparen.
Aus dieser Aufzählung können wir mitnehmen, dass diese potentiellen Modellelemente heterogene Akteure darstellen: Einer kauft, der andere verkauft. Eine Bank geht pleite, die anderen nicht, etc.

(3) Die Verbindung zur Wirklichkeit

Da ich Einsichten in die Funktionsweise unserer Wirtschaft suche, ist das Modell auf die Wirklichkeit zu beziehen. Die in der Wissenschaft übliche Verbindung sind Beobachtungen. Schauen wir uns an, welche Beobachtungen verfügbar sind:

  • Experimente: Wir können so gut wie keine Experimente auf der Ebene der Gesamtwirtschaft für wissenschaftliche Zwecke durchführen.
  • Empirie: Daten von vergangenen Entwicklungen. Da unterschiedliche Länder unterschiedliche Entwicklungspfade beschreiten, können einige Informationen aus den Länderstatistiken gewonnen werden. Aber diese Daten können uns natürlich nicht darüber Auskunft geben, was gewesen wäre, wenn eine andere Politik verfolgt worden wäre. Empirie ist daher kein Ersatz für die fehlenden Experimente.
  • Es gibt eine dritte Quelle: Wir kennen die Regeln, die wir erschaffen haben, um unsere ökonomischen Aktivitäten zu lenken. Wir kennen viele Prozesse, die in diversen Institutionen vonstatten gehen. Und wir haben Beobachtungen von unseren alltäglichen wirtschaftlichen Handlungen. Ich nenne diese Art der Beobachtung Prozessstrukturwissen.

Das bedeutet: Um ein ausgefeiltes Modell zu entwickeln, müssen wir uns auf das Prozessstrukturwissen stützen. Einfach Modelle irgendwie zusammenzuschrauben dann mit empirischen oder experimentellen Daten zu testen, wird zu mageren Modellen führen, da die verfügbaren Beobachtungen für diesen Fall mager sind. Wir können Modelle basierend auf den uns bekannten strukturellen Elementen aufbauen. Und mit diesen Modellen können wir die wirtschaftliche Dynamik erforschen.

(4) Die Methode der Wahl

Welche Methode ist geeignet, um strukturabbildende Modelle mit heterogenen Wirtschaftssubjekten zu erstellen und mit ihnen die möglichen Dynamiken auszuloten? Ein Simlationsansatz. System Dynamik (SD) könnte hier in den Sinn kommen. Aber SD setzt bei Aggregaten an und ist weniger dafür ausgelegt, heterogene Eigenschaften abzubilden. Also haben wir die Agentenbasierte Modellierung, um eine virtuelle Welt zu modellieren.

Machen wir einen ersten Test. Wir wollen eine einfache Transaktion in das Modell implementieren. Person A hat 50€ und geht auf den Obstmarkt. Person B bietet Äpfel auf dem Markt für 3€ das Kilo an. A entscheidet sich 2kg zu kaufen. Sie tauschen Äpfel und Geld.

Beginnen wir mit dem Agentenbasierten Modellieren. Wenn wir in den Möglichkeiten der ABM denken, dann ist es vom Prinzip her einfach, diese Transaktion in ein Modell einzubeziehen. Es wird einiges an Arbeit werden, aber es wird gelingen. Einfach die Elemente hinzufügen.
Versuche nun die obige Transaktion in ein neoklassischen Modell einzubauen. Oder in ein keynesianisches. Das wird nicht gehen. Mit den obigen Argumenten ergibt sich daraus ein erster Hinweis: Diese Modelle verwenden eine Methode, die sich nicht für die gesamtwirtschaftliche Analyse eignet.

 

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