Agentenbasierte Modellierung (ABM): Computersimulation oder Spiele?

Agentenbasierte Modelle sind aufwändig. Können Simulationen in Spielform den Aufwand auf ein praktikables Maß senken?

Den EEWCO-Ansatz habe ich zunächst als Computersimulation entwickelt. Nachdem der Grundstock steht, ist nun die Frage, wie sich daraus ein umfassendes Analyseinstrument für unser Geldsystem entwickeln lässt. Eine Weiterführung als Computersimulation erscheint mir sehr sehr viel zu langsam zu sein. Zu langsam sowohl in der Entwicklung als auch in der Diskussion.

Was agentenbasierte Computersimulation fordert

Ein ABM modelliert viele Prozesse: Was können die verschiedenen Agenten in den modellmöglichen Situationen tun? Wie erkennen sie die Situationen und wie reagieren sie darauf? Jeder dieser Prozessschritte muss nachvollziehbar mit der Wirklichkeit in Verbindung gebracht werden können. Wir kommen schnell an Modelle, deren Definition 200-300 Seiten Pseudocode braucht. Wer hat die Ausdauer, sich da durchzuarbeiten?
Hinzu kommt, dass die Unterscheidung von wirklichkeitsbezogenen Aussagen und den Bezug brechenden Aussagen in den Wirtschaftswissenschaften nicht verankert ist. „Modelle müssen vereinfachen“ ist so in etwa das, was ich im Studium über den Bezug von Wirklichkeit und Modell gelernt habe – sowohl als Handlungsanleitung als auch als Überprüfungskritium völlig unbrauchbar(-> EEWCO-Methodologie).
Auch der Schritt vom eigenen Erleben über die Theorie hin zum Pseudocode scheint mir für viele ihre Vorstellungskraft zu übersteigen.
Kurzum: Eine solche Computersimulation ist momentan nur für sehr wenige Menschen nachvollziehbar. Da es aber nicht um Wissenschaftssport geht, sondern darum, das Geldsystem sinnvoll zu gestalten, ist zu wünschen, dass eine große Anzahl Menschen versteht, was aus einem Modell gelernt werden kann.

Damit kommen wir zum zweiten Engpass: der Modellentwicklung. Wenige Menschen, die das Modell nachvollziehen können, bedeutet noch weniger Menschen, die in der Lage sind, das Modell weiter auszubauen oder es als ihr Forschungsinstrument zu verwenden.

ABM sind aufwändig in der Erstellung, so dass zu befürchten ist, dass eine umfassende Modellreihe zur Analyse des Geldsystems eher eine Frage von Jahrzehnten als von Jahren ist. Für den anstehenden Wandel wünsche ich jedoch ein Werkzeug, das zeitnah zur Verfügung steht.

Spiele als Zwischenlösung?!

Spiele haben zunächst den Vorteil, dass die Akteure des Modells von Spielerinnen belebt werden. Die Ausgestaltung der Umwelterkennung und Handlungsstrategien für alle Eventualitäten ist in der Modellierung sehr aufwändig. Dieser Aufwand wird bei der Simulation in Spielform eingespart. Der Nachteil ist, dass die Simulationsläufe weniger reproduzierbar sind und für einen Simulationslauf auch genügend Spieler vorhanden sein müssen.

Spiele, insbesondere Brettspiele, haben den Vorteil, dass die Prozessdefinitionen besser zugänglich dargestellt werden. Zu sehen was ich als Akteur in meiner Spielrolle machen kann, ist leichter mit der Wirklichkeit in Verbindung zu bringen, als entsprechender Computercode.

Die Modelle sind auch leichter zu variieren. Einfache Änderungen des Modells können schnell eingebaut werden und erfordern keine Programmierkenntnisse.

Ein zweischneidiges Schwert ist die Restriktion der Spielzeit und der Spieleranzahl. Das Zeitraster eines Spiels und auch die Sachebene muss so grob dargestellt werden, dass sie spielbar bleibt. Das kann eine Quelle der Ungenauigkeit sein.

Fazit

Momentan setze ich auf Spiele als Simulationsmedium für agentenbasierte Modelle. Wie weit das trägt – mal sehen.

 

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